Das Schöne am Gewichtheben sind die kleinen und großen Gesten. Es gibt Athleten, die ziehen Grimassen, wenn sie eine 150 Kilogramm schwere Hantel über ihrem Kopf halten. Sie lächeln. Sie grinsen. Sie verziehen das Gesicht, als hätten sie einen halben Liter Spülmittel verschluckt. Dann gibt es Athleten, die in den Dialog treten mit dem Publikum. Sie verneigen sich. Ballen triumphierend die Faust. Winken. Jubeln.

Der schönste Jubler, den der TSV Heinsheim hat, ist Oliver Ehemann. Der 32-Jährige feiert besonders gelungene Versuche mit tollkühnen Harlekinsprüngen. Am Samstagabend erweiterte er sein Repertoire. Er ruderte mit den Armen, drehte sich im Kreis und ging auf die Knie – ganz so, als wolle er den Bolero neu in Szene setzen. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Das muss eine Art Beuteltanz gewesen sein“, staunte Martina Dosquet, die Abteilungsleiterin.

Der Beuteltanz war der außergewöhnliche Abschluss eines außergewöhnlichen Abends: Mit 640,6:602,6 gewann der Zweitligist aus dem Neckardörfchen das Gipfeltreffen gegen den AV 03 Speyer. Es war nicht nur der vierte Sieg im vierten Wettkampf, sondern auch eine Machtdemonstration. 640,6 Punkte – so stark präsentierte sich der TSV noch nie in diesem Jahr. Dass gleichzeitig ein Nebenbuhler um den Titel zurechtgestutzt wurde, war ein schöner Nebeneffekt. „Für uns wird es das gewesen sein. Heinsheim war einfach stärker als wir“, gab AV-Heber Christian Gentsch zu.

Spannung Der TSV Heinsheim wäre nicht der TSV Heinsheim, hätte er nicht eine Zündschnur gelegt. Und für Nervenkitzel gesorgt. Zwei Risikopersonen hatte er in seinen Reihen. Zum einen Marcel Heinzelmann, der sich wegen einer Knieverletzung durch den Wettkampf quälte. Zum anderen Falk Künzel, der sich in den ersten beiden Durchgängen zwei Fehlversuche leistete. Mit Ach und Krach bewältigte Künzel im dritten Durchgang 110 Kilogramm – und brachte Punkte in die Wertung.

„Ich bin zwar nicht mehr schwanger. Herzinfarkte kann ich trotzdem noch bekommen. Falk hat das ganz schön spannend gemacht“, stöhnte Martina Dosquet. „Ich wusste, dass Falk es packt. Im Training hatte er es locker drauf“, sagte Routinier Ralf Fein und erklärte: „Danach war klar, dass wir es schaffen.“

Er selbst leistete seinen Beitrag. Sechs Richtige, sechs gültige Versuche hatte er – genauso wie der souveräne Kai Wittmann, der überragende Ilian Tzankov und der starke Oliver Ehemann, der nicht nur im Reißen (136 Kilogramm), sondern auch im Stoßen (180 Kilogramm) eine neue persönliche Bestleistung aufstellte. Nun sind er und sein Team Wintermeister. Zusammen mit dem Weihnachtsmann ist das Aufstiegsgespenst zurückgekehrt. Der 1. Liga ist der TSV bedrohlich nahe. „Im Umfeld wird das nicht allen gefallen. Da gibt es Zweifler, ob wir die 1. Liga annehmen sollen“, sagte Ehemann, meinte aber: „Wenn wir es schaffen, sollten wir es machen.“

Erstklassig jubeln, das kann Oliver Ehemann ja bereits.

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