Gewichtheben ist Herzenssache. Gewichtheben verbindet. Wer dem TSV Heinsheim zum Saisonauftakt der 2. Bundesliga West zuschaute, erlebte einen sehr leidenschaftlichen und sehr freundschaftlichen Wettkampf. Mit 3:0 (605,8:521,4) setzte sich der Bundesliga-Absteiger gegen Schifferstadt durch und sammelte seine ersten drei Punkte zum angestrebten Titel. Die Stimmung, sie war bestens in der Josef-Müller-Halle, auch unter den beiden Teams, die sich nicht nur wegen der Querverbindung zwischen Kevin Kübler und Sophia Attilo gegenseitig unterstützten. Immer wieder gab es Anfeuerungsrufe, immer wieder spornte man sich an. "Das ist das, was ich an unserem Sport so mag: Da schreit niemand den anderen runter, da neidet einem niemand etwas", sagte TSV-Trainer Ferdinand Wittmann.

Kevin Kübler (23) und Sophia Attilo (21) hatten sich vor zwei Jahren bei einem Zweitliga-Wettkampf kennengelernt. Sie war es, die die Initiative ergriff. Über Facebook gab es die ersten Annäherungsversuche, ehe es bald konkreter wurde. Inzwischen machen die Beiden gemeinsame Sache. Manchmal trainiert er bei ihr in Schifferstadt mit, manchmal sie bei ihm in Heinsheim. Zum Wettkampf am Samstag kamen sie in einem Auto − was frotzelnde Bemerkungen der Teamkollegen ("Der Feind kommt!") zur Folge hatte.

Anfeuerung Beide machten ihre Sache gut. Nach einem Fehlversuch zu Beginn zeigte Sophia Attilo einen tadellosen Wettkampf und stellte mit 106 Punkten im Zweikampf eine persönliche Bestleistung auf. Auch der Auftritt ihres Freundes konnte sich sehen lassen. Spektakulär der dritte Versuch im Reißen, als Kevin Kübler mit 110 Kilogramm über dem Kopf fast auf dem Hosenboden landete, sich unter dem Jubel der Fans dann aber doch noch aufrappelte. "Ich würde mir beide Beine brechen, wenn ich so etwas machen würde", staunte Martina Dosquet.

Die Abteilungsleiterin des TSV hatte nach dem Wettkampf knallrote Hände − so viel und so feste hatte sie geklatscht. Vor dem Wettkampf war Dosquet äußerst nervös gewesen. Neuzugang Christopher Roland hatte am Donnerstagabend verletzungsbedingt abgesagt, und aus Schifferstadt drang die Kunde, die Mannschaft habe sich kurzfristig verstärkt. Es wurde dann alles halb so wild. Trotz ein paar Wackler zu Beginn entschied der TSV das Reißen mit 220,1:199,2 Punkten für sich. Noch größer fiel der Vorsprung im Stoßen aus (385,7:322,2).

Glanzlichter Stark der Aufritt von Falk Künzel, der als einziger Heinsheimer sechs Richtige, sechs gültige Versuche, in die Wertung brachte. Stark auch das Debüt von Patrick Carvalho. In seinem ersten Wettkampf in der ersten Mannschaft stellte der 15-Jährige mit 104 Kilogramm im Stoßen eine persönliche Bestleistung auf.

Nach dem Wettkampf saßen die beiden Teams noch lange zusammen, natürlich auch Kevin Kübler und Sophia Attilo. Ob es bereits zarte Versuche gab, das Pärchen auch sportlich zusammenbringen − beispielsweise beim TSV? "Ja", lächelt Attilo. "Aber das ist kein Thema. Ich hebe in Schifferstadt mit meinen besten Freudinnen. Wenn sich mein Verein auflösen würde, wäre Heinsheim natürlich meine erste Adresse." Beim TSV hat man Verständnis: "Das ist schon in Ordnung. Wir werben niemanden ab. Das macht man nicht", sagt Ferdinand Wittmann.

TSV Heinsheim: Patrick Carvalho (Körpergewicht 59,7 kg) 87,0 KP (Reißen 83 kg/Stoßen 104 kg); Erik Kübler (60,9 kg) 86,0 KP (85 kg/105 kg), Kevin Kübler (76,6 kg) 90,0 KP (110 kg/131 kg); Aleksandar Dimitrov (79,0 kg) 154,0 KP (135 kg/175 kg); Falk Künzel (85,3 kg) 94,4 KP (120 kg/145 kg), Robin Künzel (87,1 kg) 27,9 KP (115 kg/-); Oliver Ehemann (115,8 kg) 66,5 KP (-/172 kg).

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